Wilder Montag im Harlem Jazz Club

Wilder Montag im Harlem Jazz Club

So kompromisslos war der Einsatz der Saxofonistin, dass ihr Instrument auf dem Höhepunkt plötzlich den Geist aufgab. Es ging kaputt.

Lachend wandte sie sich ans Publikum: „Ist jemand im Saal, der Instrumente reparieren kann?“

Sie war in Bestform – messerscharfer Humor, überbordendes Charisma … und Sekunden später tauchte sie wieder ein in jene hypnotischen Klänge, die einen von innen packen.

Der Club war voll, und das ließ sich an der Energie im Raum deutlich spüren. Das Publikum blieb nicht reglos: Köpfe folgten dem Puls in beinahe hypnotischer Kadenz, Körper wiegten sich ganz unbewusst, gefangen von diesen tranceartigen Grooves. Was die Fachkritik seit Jahren betont, wurde live offensichtlich: Sie klingen wie eine große Band, obwohl nur drei Musiker auf der Bühne stehen.

Es ist faszinierend, wie sie ihr klangliches Universum aufbauen. Die Komplexität ist da – Polyphonien, rhythmische Verschiebungen, ständige Rollenwechsel zwischen Begleitung und Solo. Aber nichts wirkt verkopft oder distanziert. Im Gegenteil: Alles ist körperlich, direkt, ansteckend. Sie verbinden die Tradition der New-Orleans-Brassbands mit Free Jazz, Funk und einer fast punkigen Attitüde – und erzeugen so einen kraftvollen, üppigen und überraschend tanzbaren Sound.

Das Saxofon knurrt und schnurrt in tiefen Lagen, die das gesamte rhythmische Gefüge zu tragen scheinen, während die Posaune Linien entfaltet, die sich mit Schalk und Präzision verweben. Und das Schlagzeug begleitet nicht nur – es tritt in Dialog, provoziert, treibt an. Alles geschieht mit sprühender Energie und einer so organischen Kommunikation, dass man mitunter vergisst, wie kunstvoll diese Musik gearbeitet ist.

Der Montag war nicht nur ein Konzert, sondern eine kollektive Erfahrung: eine Ladung Berliner Underground-Jazz, roh und vibrierend, die das Harlem erzittern ließ und uns daran erinnerte, warum Live-Musik unersetzlich bleibt.

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von Lene Saile.